Published in English in the Spring of 2005 as “Lucas, Gentle Servant” in the academic journal Metamorphoses . The complete text both in German and in English follows.

Siegfried Lenz
Lukas, sanftmütiger Knecht
Siegfried Lenz
Lucas, Gentle Servant

Im Süden brannte das Gras. Es brannte schnell und fast rauchlos, es brannte gegen die Berge hin, gegen die Kenia-Berge; das Feuer war unterwegs im Elefantengras, es hatte seinen eigenen Wind, und der Wind schmeckte nach Rauch und Asche.

In the South the grass was burning. The fire moved quickly and with barely a trace of smoke toward the mountains, toward the Kenyan mountains. It had its own wind as it raced through the elephant grass, and the wind tasted of smoke and ashes.

Einmal im Jahr warfen sie Feuer in das Gras, das Feuer lief seinen alten Weg gegen die Berge hin, gegen die Kenia-Berge, und vor den Bergen legte es sich hin, und mit dem Feuer legt sich der Wind hin, und dann kamen die Antilopen zurück und die Schakale, aber das Gras war fort.

Once a year they set the grass ablaze and the fire took its old, familiar course toward the mountains, toward the Kenyan mountains, and when it arrived there it died down, and its wind also died down, and then the antelopes returned, and the jackals, but the grass was gone.

Einmal im Jahr brannte das Gras, und wenn es verbrannt war, wurde gepflügt, es wurde gegraben und gepflügt, die neue Asche kam zu der alten Asche, und in das Land aus Asche und Stein warfen sie ihren Mais und der Mais wurde groß und hatte gute Kolben.

Once a year they burned the grass, and when it had burned they plowed, they dug and plowed, the new ashes were mixed with the old, and in the land of ash and stone they cast their seed, and the corn grew high and the ears were fat.

Ich bog dem Feuer aus und fuhr im weiten Bogen zum Fluß hinunter, zum Bambuswald, ich fuhr langsam zwischen Dornen und Elefantengras um das Feuer herum, und ich spürte den heißen, böigen Wind auf der Haut und schmeckte den Rauch.

I drove around the fire in a wide circle, down to the river, to the bamboo forest. I drove slowly between the thorns and the elephant grass, and I felt the gusts of hot wind on my skin and tasted the ashes.

Ich wollte am Fluss entlangfahren, am Bambuswald, ich konnte das Feuer überholen, ich konnte, wenn ich es überholt hatte, auf die Grasfläche zurückfahren, es war kein großer Umweg: ich hatte nur noch fünfzehn Meilen zu fahren, ich würde noch vor der Dunkelheit zu Hause sein, ich mußte vorher zu Hause sein.

I planned to drive along the river, along the bamboo forest. I could overtake the fire and once I had gotten past it, I could drive back onto the grassland. It didn’t take me much out of my way — I had only fifteen miles left to drive, I would be home before dark, I had to be home by then.

Aber dann traf ich sie, oder sie trafen mich; ich weiß nicht, ob sie auf mich gewartet hatten; sie lagen am Rande des Flusses, am Rande des Bambuswaldes, mehr als zwanzig Männer, sie flossen aus dem Bambus hervor, lautlos und ernst, zwanzig hagere Männer, und sie trugen kleine Narben auf der Stirn und am Körper, rötliche Stigmen des Hasses, und in den Händen trugen sie ihre Panga-Messer, kurze, schwere Hackmesser, mit denen sie unsere Frauen töten und die Kinder, ihre eigenen Leute und das Vieh. Sie umringten das Auto, sie sahen mich an, sie warteten.

But then I met them. Or they met me. I don’t know if they had been waiting for me; they were standing near the bamboo forest along the river. More than twenty men came flowing out of the bamboo, silently and solemnly, twenty gaunt men. On their foreheads they bore little scars, and on their bodies red stigmata of hatred, and in their hands they held their panga knives — short, heavy cleavers with which they kill our women and children, and their own people and cattle. They surrounded the car, they stared at me, they waited.

Einige standen im Elefantengras, einige vor den Dornen, sie kamen nicht näher heran, obwohl sie sahen, daß ich allein war, sie hielten das Panga-Messer dicht am Oberschenkel und schwiegen, zwanzig hagere Kikujus, und sie blickten mich sanft und ruhig an, mit herablassendem Mitleid.

Some of them stood in the elephant grass, some by the thorn bushes and they did not approach although they saw I was alone. They held their panga knives close at their sides, silently, twenty gaunt Kikuyus, and they looked at me gently and calmly, with condescension and pity.

Ich schaltete den Motor aus und blieb sitzen; in einem Fach lag der Revolver, ich konnte ihn sehen, aber ich wagte nicht, die Hände vom Steuer zu nehmen, sie beobachteten meine Hände, ruhig und scheinbar gleichgültig wachten sie über meine Bewegungen, und ich ließ den Revolver im Fach liegen und hörte, wie in der Ferne das Feuer durch das Elefantengras lief.

I turned off the motor and just sat there. My revolver lay in the glove compartment, I could see it but didn’t dare take my hands off the wheel. Calmly and with seeming indifference they observed my hands and my movements, so I left the revolver where it was, and listened to the fire in the distance racing through the elephant grass.

Dann hob einer sein Messer, hob es und winkte mir schnell, und ich stieg aus; ich stieg langsam aus und ließ den Revolver liegen, und dann sah ich den, der mir gewinkt hatte, und es war Lukas, mein Knecht. Es war Lukas, ein alter, hagerer Kikuju, er trug eine Leinenhose von mir, sauber, aber von den Dornen zerrissen, Lukas, ein stiller, sanftmütiger Mann, Lukas, seit vierzehn Jahren mein Knecht.

Then one of them raised his knife and beckoned to me sharply, and I got out, slowly, and left the revolver where it was, and then I saw who it was who had beckoned to me — it was Lucas, my servant. It was Lucas, an old, gaunt Kikuyu, wearing the cotton trousers I had given him, clean except now ripped by the thorns — Lucas, a silent, gentle man, Lucas, who had been my servant for fourteen years.

Ich ging auf ihn zu, ich sagte "Lukas" zu ihm, aber er schwieg und sah über mich hinweg, sah zu den Kenia-Bergen hinüber, zu dem brennenden Gras, er sah über die Rücken der fliehenden Antilopen, er kannte mich nicht.

I approached him and said “Lucas” to him, but he was silent and gazed past me, toward the Kenyan mountains, toward the burning grass, over the backs of the fleeing antelopes — he did not acknowledge me.

Ich schaute mich um, sah jedem der Männer ins Gesicht, prüfte, erinnerte mich verzweifelt, ob ich nicht einem von ihnen begegnet wäre, einem, der mir zunicken und bestätigen könnte, daß Lukas vor mir stand, Lukas, mein sanftmütiger Knecht seit vierzehn Jahren; aber alle Gesichter waren fremd und wiesen mein Blicke ab, fremde, ferne Gesichter, glänzend von der Schwüle des Bambus.

I turned around, looking into the faces of each of the men, checking, struggling to remember if I hadn’t met one of them, just one who could nod in confirmation that this was Lucas standing before me, Lucas, my gentle servant for fourteen years. But all the faces were cold and rejected my silent plea — cold, distant faces, gleaming in the sweltering heat of the bamboo.

Sie öffneten den Kreis, zwei Männer traten zur Seite, und ich ging an ihnen vorbei, ging in die Dornen hinein; die Dornen rissen mein Hemd auf, sie rissen die faltige, gelbliche Haut auf, es waren harte, trockene Dornen, sie griffen nach mir, hakten sich fest, brachen, über der Brust hing das Hemd in Fetzen. Wir haben eine Bezeichnung für Dornen, wir nennen sie ,Wart ein bißchen.'

They opened their circle, two men stepped aside, and I walked past them, into the thorn bushes. The thorns tore my shirt and dug into my wrinkled, yellow skin. They were hard, dry thorns, and they reached out for me, they dug in and broke off, and my shirt hung in tatters on my chest. We have a word for thorns, we call them “Wait-a-bits.”

Ich hörte, wie sie das Auto umwarfen, sie ließen es liegen und folgten mir, sie zündeten das Auto nicht an: sie ließen es liegen, und das genügte, es genügte in diesem Land des schweren Schlafes und des Verfalls, niemand würde das Auto je wieder auf die Räder setzen, vielleicht würde es jemand in den Fluß stürzen, vielleicht, ich würde es nie mehr benutzen.

I heard how the men overturned the car, left it there and followed me. They did not set it on fire, they just left it there, and that was enough, enough in this land of deep sleep and decay. No one would ever set the car upright again. Perhaps someone would throw it in the river -– perhaps. I would never drive it again.

Sie folgten mir alle, mehr als zwanzig Männer gingen hinter mir her; wir gingen durch die Dornen, als ob wir ein gemeinsames Ziel hätten, sie und ich.

They all followed me, more than twenty men walking behind me. We walked through the thorns as if we all had the same destination, they and I.

Lukas ging hinter mir her, ich hörte, wie sein Messer gegen die Dornen fiel, es waren Dornen, die von meinem Körper nach vorn gebogen wurden und dann zurückschnellten. Manchmal blieb ich stehen, um Lukas auflaufen zu lassen, ich hatte es noch nicht aufgegeben, mit ihm zu sprechen, aber er merkte jedesmal meine Absicht und verzögerte seine Schritte, und wenn ich mich umschaute, sah er nach hinten oder über mich hinweg.

Lucas walked along behind me. I heard his machete slashing the thorns, the same thorns that were bent forward by my body as I passed, and then snapped back. Sometimes I stopped to give Lucas a chance to catch up. I had not given up trying to speak with him, but each time he guessed my intent and slowed his pace, and when I turned around he was looking backwards, or over my head.

Ich folgte ihnen bis zum Fluß, ich folgte ihnen, obwohl ich vorausging, und vor dem Fluß blieb ich stehen, vor dem flachen, trägen Fluß, den ich zweimal durchwatet hatte, zweimal bis zur Hüfte im Schlamm, im Krieg einmal, und einmal, als der Missionar verunglückte; es war schon lange her, aber ich hatte das Gefühl nicht vergessen.

I followed them to the river, I followed them even though I was walking ahead. And when I reached the river, I stopped — the flat, languid river through which I had waded twice, up to my hips in the mud, the first time in the war and again when the missionary had his accident. That was long ago, but I hadn’t forgotten the feeling.

Ich blieb vor dem Fluß stehen, und sie kamen heran und umstellten mich, mehr als zwanzig Männer mit schweren Panga-Messern, fremde, starre Gesichter, gezeichnet von den kleinen Narben des Hasses.

I stopped when I reached the river. They caught up with me and surrounded me, more than twenty men with heavy panga knives and hostile, rigid faces, marked with the little scars of hatred.

Schwarze Flußenten ruderten hastig ans andere Ufer, ruderten fort und sahen herüber, und ich stand im Kreis, den der Fluß vollendete, stand im Zentrum ihres stummen Hasses.

Black ducks in the river paddled off hastily to the other side and looked over at us, and I stood in the half-circle with the river in front of me, in the center of their silent hatred.

Sie setzten sich auf die Erde, sie hielten das Messer im Schloß, sie schwiegen, und ihr Schweigen war alt wie das Schweigen dieses Landes, ich kannte es, ich hatte es seit sechsundvierzig Jahren ausgehalten: als wir aus England gekommen waren, hatte uns dieses Land mit Schweigen empfangen, es hatte geschwiegen, als wir Häuser bauten und den Boden absteckten, es hatte geschwiegen, als wir säten und als wir ernteten, es hatte zu allem geschwiegen.

They sat down on the ground, holding their knives in their laps, and were silent –– their silence was as ancient as the silence of this land. I was familiar with it, I had endured it for forty-six years. When we arrived from England this land received us with silence, it had remained silent when we built houses and staked out the land, silent when we sowed and harvested –– it had responded to everything with silence.

Wir hätten wissen müssen, daß es einmal sprechen würde.

We should have known that one day it would speak.

Eine Schlange schwamm über den Fluß, sie kam aus dem Bambus, sie hielt den Kopf starr aus dem Wasser, es war eine kleine Schlange mit abgeplattetem Kopf, sie verschwand in der Uferböschung, und ich merkte mir die Stelle, wo sie verschwunden war.

A snake came out of the bamboo holding its head stiffly out of the water and swam across the river. It was a small snake with a flattened head and it quickly disappeared in the bank on the other side. I carefully noted the spot where it disappeared.

Ich wandte den Kopf und sah in die Gesichter der Männer, ich wollte herausfinden, ob sie auch die Schlange beobachtet hatten, ich wollte mich anbiedern, denn ich fürchtete mich vor dem Augenblick, da sie zu reden begännen, ich war an ihr Schweigen gewöhnt, darum hatte ich Angst vor ihrer Sprache.

I turned my head and looked into the faces of the men, trying to figure out if they too had seen the snake. I wanted to ingratiate myself with them because I was afraid of the moment when they would begin to speak. I was accustomed to their silence, I was fearful of their speech.

Aber sie schwiegen und sahen vor sich hin, sie taten, als sei ich ihr Wächter, als hätten sie sich mir schweigend unterworfen; sie schwiegen, als hinge ihr Leben von meinem ab, und sie ließen mich in ihrer Mitte, bis es dunkel wurde.

But they remained silent and just looked straight ahead as if I were guarding them, as if they had silently surrendered to me. They kept silent as if their lives hung on mine, and they kept me in their circle until it grew dark.

Ich hatte auch versucht, mich auf die Erde zu setzen, das Hemd klebte an meinem Rücken, die Knie zitterten, die Schwüle, die aus dem Bambus herüberkam, hatte mich schlapp gemacht, aber kaum hatte ich mich gesetzt, da machte Lukas eine kurze, gleichgültige Bewegung mit seinem Messer, er hob die Spitze nur ein wenig hoch, und ich wußte, daß ich zu stehen hätte.

I had also tried to sit down on the ground. My shirt stuck to my back, my knees trembled, the oppressive heat which came wafting over from the bamboo fatigued me, but no sooner had I sat down than Lucas twitched his knife in a short, off-handed motion, raising the point just slightly, and I knew I was to stand up.

Ich war überzeugt, daß sie mich töten würden, und ich sah sie einzeln an, lange und gründlich, auch Lukas, meinen sanftmütigen Knecht seit vierzehn Jahren, ich sah sie an und versuchte, meinen Mörder herauszufinden.

I was convinced they would kill me, and I looked them over carefully, one by one, including Lucas, my gentle servant for fourteen years. I looked at them and tried to figure out which one would be my murderer.

Als es dunkel geworden war, erhoben sich einige Männer und verschwanden, aber sie kamen bald zurück und waren mit trockenem Dornengestrüpp beladen. Sie warfen das Gestrüpp auf einen Haufen und zündeten in der Mitte des Kreises ein kleines Feuer an, und einer von ihnen blieb am Feuer sitzen und bediente es.

When it had become dark, several men rose and disappeared, but soon they came back with armfuls of dry thorn branches. They threw the branches in a pile and lit a small fire in the center of their circle, and one of them sat by the fire and fed it.

Ich erinnerte mich der Zeit, die ich mit Lukas verlebt hatte, er war erst vor zwei Tagen verschwunden; ich dachte an seinen schweigenden Stolz und an seine Neigung, das Leben zu komplizieren.

Ich blickte auf die Männer und dachte an ihre rituellen Hinrichtungen, und mir fiel ein, daß sie einst ihre Diebe mit trockenen Blättern umwickelt und angezündet hatten.

I thought back over the time I had spent with Lucas — he had disappeared only two days before. I contemplated his silent pride and his inclination to complicate life. I looked at the men and reflected on their ritual executions, and I remembered how they used to wrap their thieves in dry leaves and set them afire.

Ich hatte viel gehört in diesen sechsundvierzig Jahren, von ihrer Phantasie, von Opferzeremonien und ihrer arglosen Grausamkeit: ein Kikuju hat mehr Phantasie als alle Weißen in Kenia, aber seine Phantasie ist grausam. Wir haben versucht, sie von ihrer natürlichen Grausamkeit abzubringen, aber dadurch haben wir sie ärmer gemacht.

I had heard a lot in these forty-six years about their imagination, their sacrificial ceremonies and their ingenuous cruelty. A Kikuyu has more imagination than all the whites in Kenya, but his imagination is cruel. We tried to wean them from their natural cruelty, but in the process we made them poorer.

Wir haben versucht, ihre geheimen Stammeseide, Orgien und Beschwörungsformeln zu entwerten, dadurch ist ihr Leben langweilig und leer geworden. Sie wollen nicht nur das Land zurückhaben, sie wollen ihre Magie zurückhaben, ihre Kulte, ihre natürliche Grausamkeit.

We tried to undermine their secret tribal oaths, orgies and incantations, but this just made their lives tedious and empty. They want more than just their land again, they want their magic, their religious ceremonies, their natural cruelty.

Ich brauchte nur in ihre Gesichter zu sehen, um das zu verstehen; in ihren Gesichtern lag der Durst nach ihrem Land und das Heimweh nach ihrer alten Seele, in allen Gesichtern, über die der schwarze Schein des Feuers lief.

I needed only to look into their faces to understand that. Their thirst for their land and the longing for their former souls shone in their faces, in all their faces, illumined by the flickering light of the fire.

Ich überlegte, ob ich fliehen sollte, ich hatte an dieser Stelle des Flusses keine Krokodile gesehen; vielleicht hatten sie aber auch nur im Ufergras gelegen, auf der anderen Seite, im Bambus, und vielleicht waren sie mit der Dunkelheit ins Wasser geglitten.

I considered fleeing, as I hadn’t seen any crocodiles in this part of the river — but perhaps they had just been lying in the grass along the shore on the other side, in the bamboo, and had slipped into the water as it got dark.

Ich könnte unter Wasser schwimmen, ich war ein guter Schwimmer, trotz meines Alters, und so schnell entschließen sich die Krokodile nicht zum Angriff, vielleicht könnte ich es schaffen.

I could swim under water, I was a good swimmer despite my age, and crocodiles aren’t so quick in deciding when to attack, so perhaps I could make it.

Aber die Männer, die einen Kreis um mich geschlagen hatten, würden nicht zusehen, würden nicht mehr schweigend am Boden hocken und zusehen, wie ich floh. Ich prüfte erschrocken ihre Gesichter, ich fürchtete, daß sie meine Gedanken erraten hatten, aber ihre Gesichter waren fremd und reglos, auch das von Lukas, meinem sanftmütigen Knecht. Vielleicht hofften sie, daß ich floh, vielleicht warteten sie nur darauf daß ich mich in den Fluß warf –– ihre Gesichter schienen darauf zu warten.

But the men who had formed a circle around me would not just sit there on the ground and watch as I fled. I examined their faces, suddenly startled and fearing they had guessed my thoughts, but their faces were distant and motionless, including the face of Lucas, my gentle servant. Maybe they hoped I would flee, perhaps they were just waiting for me to jump into the river. Their faces seemed to be waiting for that.

Lukas stand auf und ging ans Feuer; er hockte sich hin, er sah in die Glut, seine Arme ruhten auf den Knien, ein alter, hagerer Kikuju, versunken in Erinnerung. Ich hätte mich auf ihn stürzen können, er hockte dicht vor meinen Füßen, versunken und unbekümmert. Ich hätte nichts erreicht, wenn ich mich auf ihn geworfen hätte, sein Messer lag vor ihm, mit der Spitze im Feuer, wenige Zentimeter unter den großen, hageren Händen. Es sah aus, als ob Lukas träumte.

Lucas stood up and went over to the fire. He crouched down, staring into the embers, his arms resting on his knees, an old, gaunt Kikuyu, lost in thought. I could have pounced on him as he was crouched near my feet, seemingly lost in thought and unconcerned. I would have accomplished nothing by attacking him, his knife was on the ground in front of him, its point in the fire less than an inch below his large, lean hands. It looked as though Lucas was dreaming.

Dann kamen aus den Dornen zwei Männer, die ich noch nicht gesehen hatte, sie wurden in den Kreis gelassen, zwei barfüßige Männer in Baumwollhemden, sie schienen in der Stadt gelebt zu haben, in Nairobi oder Nyeri. Sie hockten sich hinter Lukas auf die Erde, und alle Augen waren auf sie gerichtet;

sie hatten eingerollte Bananenblätter mitgebracht, jeder zwei große Blätter, und sie schoben die Blätter nahe an Lukas heran und warteten.

Then two men came out from behind the thorn bushes, two men I had never seen before. They were admitted into the circle, two barefoot men in cotton shirts. They seemed to have lived in the city, in Nairobi or in Nyeri. They crouched down on the ground behind Lucas, and every eye was on them. They had brought along rolls of banana leaves, each of them had two large leaves, and they pushed the leaves toward Lucas and waited.

Es waren kräftige, gutgenährte Männer, sie hatten Fleisch auf den Rippen, sie sahen nicht aus wie Lukas und seinesgleichen, die hager waren, schmalbrüstig, mit dünnen baumelnden Armen; sie hatten auch andere Gesichter, sie hatten nicht den fremden, gleichgültigen Blick, den Blick unaufhebbarer Ferne, ihre Gesichter waren gutmütig, der Blick war schnell und prüfend, er verriet, daß sie in der Stadt gelebt hatten.

They were powerful, well-fed men with flesh on their bones — they did not look like Lucas and the others, who were gaunt and small-chested and had thin, dangling arms. Their faces were also different. They did not have that cold, indifferent gaze, the look of unbridgeable distance –– their faces were good-natured, their gaze quick and scrutinizing, showing they had lived in the city.

Während sie in den Kreis traten, hatte ich das gesehen. Ich hatte auch gesehen, wie sie sich änderten, als sie Lukas vor dem Feuer erblickten: ihre Gesichter verwandelten sich, sie schienen an ein fernes Leid erinnert zu werden, und die Ferne machte sie fremd und abwesend.

I noticed that as they entered the circle. I also saw how they changed when they caught sight of Lucas by the fire: their faces were transformed, they seemed to be recalling some distant sorrow, and the distance made them cold and remote.

Lukas nahm das Messer aus dem Feuer, er konnte nicht gesehen haben, daß die beiden Männer gekommen waren, aber er mußte gewußt haben, daß sie hinter ihm hockten, er drehte sich auf den Fußballen zu ihnen um, ich hörte bei der Drehung das Gras unter seinen Füßen knirschen, es war der einzige Laut, den er bisher verursacht hatte.

Lucas took the knife out of the fire — he could not have seen the two men coming, but he must have known they were crouching behind him. He turned on the balls of his feet to face them, and I heard the grass crunching under his feet as he turned, the only sound he had made until now.

Lukas nickte einem der Männer zu, und der Mann, dem das Nicken gegolten hatte, zog sein Baumwollhemd aus und warf es hinter sich, und dann ging er nahe an Lukas heran und hockte sich vor ihm hin, schnell, fast lüstern.

Lucas nodded to one of the men, and the man he was nodding to pulled off his cotton shirt, threw it behind him, then stepped up to Lucas and crouched down in front of him, quickly and with an almost lustful yearning.

Und Lukas hob das Messer und drückte es in sein Schulterblatt, es zischte als das heiße Eisen das Fleisch berührte, und der Oberkörper des Mannes bäumte sich einmal auf, der Kopf flog nach hinten. Ich sah die zusammengepreßten Zähne, das verzerrte Gesicht; die Augen waren geschlossen, die Lippen herabgezogen.

Lucas raised the knife and pressed it into the man’s shoulder blade. As the hot iron touched the flesh there was a hissing sound, then his upper body reared up and his head jerked back. I saw his clenched teeth, and contorted face ––his eyes were closed and lips drawn.

Er stöhnte nicht, und Lukas, sanftmütiger Knecht seit vierzehn Jahren, setzte das Messer an eine andere Stelle, siebenmal, er setzte das Messer gegen die Schulter, gegen die Brust und gegen die Stirn. Als er den zweiten Schnitt empfing, zitterte der Mann, dann hatte er den Schmerz überwunden.

He did not cry out, and Lucas, my gentle servant for fourteen years, pressed the knife on another spot, and another, seven times, placing the knife against the man’s shoulder, chest and forehead. The man flinched when he received the second cut, but after that he had conquered his pain.

Nach der zweiten Wunde sah er dem Messer ruhig entgegen, er bog dem Messer die Schulter heran, er dehnte ihm seine Brust entgegen, es konnte ihm nicht schnell genug gehen, die kleinen Schnitte zu empfangen, unwiderrufliche Zeichen der Verschwörung, Stigmen des Hasses.

After the second cut he looked calmly at the knife, leaning his shoulder forward into the knife, expanding his chest toward it, as if he couldn’t receive the little cuts fast enough, those irrevocable signs of conspiracy, stigmata of hatred.

Dann hatte er die Male erhalten, und Lukas wies ihn zurück, er kroch auf seinen Platz und hockte sich hin, und Lukas legte das Messer ins Feuer und nickte nach einer Weile dem zweiten Mann zu; der zweite Mann zog sein Baumwollhemd aus, das Messer senkte sich in seine Schulter, es zischte, es roch nach verbranntem Fleisch, und auch er wurde nach dem zweiten Mal stumpf und ruhig, auch er empfing sieben Schnitte und kroch zurück.

When he had received the marks, Lucas gestured for him to withdraw. He crept back to his place and crouched down as Lucas put the knife back into the fire and after a while nodded to the second man. The man pulled off his cotton shirt and the knife burned into his shoulder with a hiss and smell of seared flesh, and after the second time he too became impassive and calm, he too received seven cuts and crawled back.

Ich hörte fernen Donner und sah zum Horizont, sah auf, als ob im Donner Rettung für mich läge, der Donner wiederholte sich nicht, ich sah nur das Feuer im Gras, das gegen die Berge lief. Der Mond kam hervor, sein Bild zerlief auf dem trägen Wasser des Flusses, der Fluß gluckste am anderen Ufer, es drang bis zu uns herüber. Im Bambus war es still.

I heard thunder in the distance and looked up at the horizon as though the thunder might rescue me, but the thunder did not recur, I saw only the fire in the grass moving toward the mountains. The moon came out, its reflection spreading in the languid waters of the river, and we could hear the river gurgling on the other side. Everything was quiet in the bamboo.

Ich sah, wie Lukas die Bananenblätter zu sich heranzog, er rollte sie vorsichtig auseinander, und ich bemerkte in einem eine Blechdose. Er stellte die Blechdose ans Feuer, sie war gefüllt, sie enthielt eine Flüssigkeit, dunkel und sämig, Lukas goß etwas von der Flüssigkeit ab und griff in das andere Blatt, ich erkannte, daß es Eingeweide waren, Eingeweide eines Tieres, eines Schafes vielleicht, er nahm sie in die Hand und zerkleinerte sie und warf einzelne Stücke in die Blechdose, und dann schüttete er Körnerund Mehl in die Blechdose und begann leise zu singen.

I watched Lucas pulling the banana leaves over to him and carefully unrolling them, and I noticed in one of them a tin box. He put the box down alongside the fire –– it was full of a dark, thick liquid –– poured off some of the liquid and reached into the second leaf. I could see that it contained entrails ––entrails of an animal, a sheep perhaps. He took them in his hands, cut them up into small pieces and threw the pieces into the tin box. Then he poured seeds and flour into the tin box, too, and began to sing softly.

Während Lukas sang – ich hatte ihn nie singen hören in vierzehn Jahren — rührte er einen Teig an, ich beobachtete, wie er den Teig klopfte und knetete, er bearbeitete ihn unter leisem Gesang, einen griesigen Teig, den Lukas schließlich in beide Hände nahm und zu einer großen Kugel formte. Dann kniff er aus der Kugel ein kleines Stuck heraus, begann es zwischen den Handflächen zu rollen, er rollte eine kleine Kugel daraus; der Teig war feucht. und ich hörte, wie er zwischen seinen Händen quatschte.

While Lucas sang — I had never heard him sing in fourteen years — he stirred a paste. I watched carefully as he beat and kneaded the dough, shaping it and singing softly. It was a gritty dough, which he finally picked up with both hands and formed into a large ball. Then he pinched a little piece out of the ball, began rolling it between his hands and shaped it into a tiny sphere. The paste was moist and I heard how it squished in his hands .

Lukas rollte vierzehn kleine Kugeln, zweimal sieben feuchte Teigbälle, er legte sie in zwei Reihen vor sich hin, eine neben die andere, und als er fertig war, nickte Lukas einem der Männer zu, die vor ihm hockten, und der Gerufene kam zu ihm, kniete sich hin, schloß die Augen und schob seinen Kopf weit nach vorn.

Lucas rolled fourteen little balls, twice seven moist balls of dough, and he laid them out in front of him in two rows, one next to the other, and when he was finished he nodded to one of the men crouching in front of him, and the man came forward, kneeled down, closed his eyes and stretched his head far forward.

Der Gerufene öffnete den Mund, und Lukas nahm eine der feuchten Teigkugeln und schob sie ihm zwischen die Zähne; das Gesicht des Gefütterten glänzte, er schluckte, ich sah, wie die Kugel den Hals hinabfuhr, er schluckte mehrmals, sein Kopf bewegte sich vor und zurück, vor und zurück, dann hielt er still, die Lippen sprangen auf, schoben sich in sanfter Gier dem nächsten Teigbatzen entgegen, und Lukas schob ihm die neueKugel in den Mund.

He opened his mouth and Lucas took one of the little wet balls and put it between the man’s teeth. As he was fed, his face shone, he swallowed, I could see the ball travelling down his throat, he swallowed again, his head moving back and forth. Then he became still and his lips opened wide with a gentle longing for the next lump of dough, and Lucas put the next one into his mouth.

Lukas, Zauberer und sanftmütiger Knecht, fütterte ihn mit dem Teig des Hasses, fütterte ihn siebenmal und wies ihn zurück, als er die Zahl erfüllt hatte, und nach einer Weile nickte Lukas dem zweiten Mann zu, und der zweite Mann kam und öffnete den Mund, würgte die Kugeln hinunter, würgte mit den Kugeln einen Schwur hinunter, und sein Gesicht glänzte.

Lucas, sorcerer and gentle servant, fed him with the dough of hatred, fed him seven times, and then after he had finished, he turned him away. After a while he nodded to the second man, and the second man came, opened his mouth, forced himself to swallow the balls and made a vow, his face shining.

Auch er aß siebenmal den Teig des Hasses und wurde zurückgeschickt, er ging aufrecht zurück, nahm sein Baumwollhemd, streifte es über undfügte sich in den Kreis ein, den sie um mich geschlagen hatten.

This man, too, ate the dough of hatred seven times, and was sent back – he walked with his head up high, took his cotton shirt, pulled it on and joined the circle they had formed around me.

Ich erinnere mich, daß Sieben ihre Zahl ist, heilige Zahl der Kikujus, ich hatte es oft gehört in sechsundvierzig Jahren, jetzt hatte ich es gesehen — warum hatten sie es mich sehen lassen, warum duldeten sie, daß ich dabeistand, meine Zahl war eine andere, ich war der, dem die Wunde galten, die frischen Male auf den Körpern der Männer, ich war das Ziel ihres Hasses, warum töteten sie mich nicht?

I remembered that seven is their number, the sacred number of the Kikuyus. Often in forty-six years I had heard that and now I had seen it. Why had they let me witness it, why did they allow me to watch? My number, after all, was different, I was the reason for their wounds, the fresh marks on their bodies, I was the target of their hatred — so why didn’t they kill me?

Warum zögerten sie, warum zögerte Lukas, das schwere Panga-Messer gegen mich zu heben, warum ließen sie mich nicht den Tod sterben, den sie so viele hatten sterben lassen: hatten sie einen besonderen Tod für mich, hatte Lukas, der Sanftmütige, sich einen besonderen Tod für mich ausgedacht in den vierzehn Jahren, da er mein Knecht war?

Why did they hesitate, why did Lucas hesitate to raise his heavy panga knife against me, why did they not force me to die the death they had for so many others? Had they reserved a special death for me, had gentle Lucas thought up a special death for me in those fourteen years he was my servant?

Wir hatten wenig gesprochen in diesen vierzehn Jahren, Lukas hatte allezeit schweigend und gut gearbeitet, ich hatte ihn sogar eingeladen, mit uns zu essen; manchmal, wenn ich ihn aus der Ferne beobachtet hatte bei der Arbeit, ging ich zu ihm und lud ihn ein, aber er kam nie, er fand immer eine Entschuldigung, mit höflicher Trauer lehnte er meine Angebote ab, niemand hat besser für mich gearbeitet als Lukas, mein wunderbarer Knecht. Welchen Tod hatte er sich für mich ausgedacht?

We had spoken little in these fourteen years — Lucas always worked silently and hard. I had even invited him to our house for dinner. Sometimes after watching him at work from a distance, I would go over to him and invite him, but he never came, he always found some excuse — sadly and politely he declined my offers — but nobody ever worked harder for me than Lucas, my wonderful servant. What sort of death had he chosen for me?

Lukas erhob sich und ging. an mir vorbei zum Fluß, er ging langsam am Ufer auf und ab, beobachtete, lauschte, er legte sich flach auf den Boden und sah über das Wasser, er nahm einen Stein, warf ihn in die Mitte des trägen Flusses und beobachtete die Stelle des Einschlags und wartete.

Lucas stood up and wentpast me down to the river. He walked slowly up and down along the river’s edge, watching, listening. He lay down flat on the ground and looked across the water, he took a stone, threw it into the middle of the languid stream, watched where it hit, and waited.

Dann kam er zurück, und jetzt kam er zu mir. Er blieb vor mir stehen, aber sein Blick ging an mir vorbei, erreichte mich nicht, obwohl er auf mich gerichtet war; er stand vor mir, das Messer in der Hand, und begann zu sprechen. Ich erkannte sofort seine Stimme wieder, seine leise, milde Stimme, er forderte mich auf, zu gehen, er sprach zu mir, als ob er mich um etwas bäte; ich soll gehen, bat er, nun sei es Zeit.

Then he came back, and this time he came over to me. He stood before me, but his gaze went right past me, it did not make contact with mine even though he was looking straight at me. He stood before me, the knife in his hand, and began to speak. I recognized his voice at once, his soft, gentle voice. He asked me to go, he spoke to me as if he were requesting a favor. He said I should go, the time had come.

Er wies mit der Hand über den Fluß und über den Bambus in die Richtung, in der meine Farm lag, dorthin solle ich gehen, bat er, wo Fanny wohne, das war meine Frau, und Sheila, das war meine Tochter. Lukas bat mich, zu ihnen zu gehen, sie würden mich brauchen, sagte er, morgen, bei Sonnenuntergang, würden sie mich nötig haben, ich solle nicht mehr warten.

He pointed across the river and beyond the bamboo in the direction of my farm. He said I should go back there, where Fanny lived — that was my wife — and Sheila, that was my daughter. Lucas asked me to go and be with them, for they would need me, he said, tomorrow at sundown they would need me — I mustn’t wait any longer.

Ich solle Fanny und Sheila vorbereiten, denn morgen, sagte er, würde die Farm brennen, das große Feuer würde kommen, und ich dürfte dann nicht weit sein.

I should prepare Fanny and Sheila, because tomorrow, he said, the farm would burn, the great fire would come, and I should be with them then.

Er wollte sich umwenden, er hatte genug gesagt, aber ich ließ ihn noch nicht gehen, ich zeigte mit ausgestreckter Hand auf den schwarzen Fluß, und er las aus diesem Zeichen meine Frage und gab mir zu verstehen, daß keine Krokodile in der Nähe seien, er habe das Wasser beobachtet, ich könne nun gehen, der Weg sei frei.

He wanted to turn around, for he had said enough, but I didn’t let him go yet. I stretched out my hand and pointed toward the black river, and he guessed my question and told me there were no crocodiles nearby, that he had observed the water,and I could go now, the way was clear.

Ich blickte den Kreis der Gesichter entlang, fremde, steinerne Gesichter, über die der schwache Schein des Feuers lief. Lukas ging zurück und fügte sich ebenfalls dem Kreis ein, er hockte sich hin, und ich stand allein in der Mitte und schaute zum Bambuswald hinüber, spürte die Schwüle, die heranwehte, spürte Verfall und Geheimnis, und ich setzte einen Fuß in das Wasser und ging.

I looked around the circle of cold, stony faces, glistening in the flickering light of the fire. Lucas returned and also joined the circle. He crouched down and I stood alone in the middle and gazed toward the bamboo forest, feeling the oppressive heat wafting across, the decay and the mystery, and I set one foot into the water and left.

Ich ging langsam zur Mitte des Flusses, meine Füße sanken in den weichen Schlamm ein, das Wasser staute sich an meinem Körper, an der Hüfte, an der Brust, schwarzes, lauwarmes Wasser;

es führte totes Bambusrohr heran und Äste, und wenn mich ein Ast berührte, erschrakich und blieb stehen. Ich sah nicht ein einziges Mal zurück. Ich überlegte, warum sie mich hatten gehen lassen, es mußte etwas auf sich haben, daß sie mich nicht getötet hatten.

As I walked slowly to the middle of the river, my feet sank into the soft mud, and the water came up around my body, my hips and my chest. Dead bamboo stalks and branches were carried along by the black, tepid water, and when a branch touched me I was startled and stopped. I did not once look back. I wondered why they had released me — there had to be a reason they had not killed me.

Welch ein Urteil verbarg sich dahinter. daß sie mich nach Hause schickten? Ich wußte es nicht, ich kam nicht darauf, obwohl ich viele ihrer Listen kannte, ihre sanfte, grausame Schlauheit — warum hatten sie mich gehen lassen?

What was behind their decision to send me home? I didn’t know, I couldn’t figure it out even though I knew a lot of their tricks, their gentle, cruel guile. Why had they let me go?

Mein Fuß berührte einen harten Gegenstand, der auf dem Grund lag, ich zuckte zurück, ich hätte geschrien, wenn sie nicht am Ufer gewesen wären, ich warf mich sofort auf das Wasser, schwimmend kam ich schneller vorwärts als watend, und ich schwamm mit verzweifelten Stößen zur Mitte.

My foot felt a hard object lying on the bottom of the river, I flinched and jumped back. I would have screamed if they hadn’t been on the river’s edge. I immediately dived into the water — I made better time swimming than wading — and swam to the middle with frenzied strokes.

Es mußte ein versunkener Baumstamm gewesen sein, den ich berührt hatte, das Wasser blieb ruhig, keine Bewegung entstand im Fluß, ich watete langsam weiter, mit beiden Händen rudernd —-lange, tastende Schritte durch den weichen Schlamm: zum drittenmal durchquerte ich den Fluß.

It must have been a submerged tree trunk that I touched, because the water remained calm, there was no movement in the river, so I waded on, slowly, breaking the water with my hands, long, groping steps through the soft mud, crossing the river for the third time.

Welch eine List lag in meinem Freispruch, warum hatten sie mich gehen lassen, warum hatte Lukas mich nach Hause geschickt? Lukas hatte mir den kürzesten Weg gezeigt, und der Weg führte durch den Fluß und durch den Bambuswald.

What was the ruse behind my release, why had they let me go, why had Lucas sent me home? Lucas had shown me the shortest way, and the way went through the river and the bamboo forest.

Ich wußte, daß hinter dem Bambuswald die Grasfläche begann, Grasfläche der Mühsal, ich erinnerte mich, daß ich dann an Maisfeldern vorbeizugehen hätte und an einer Farm, ich würde es schaffen, dachte ich, ich würde die fünfzehn Meilen bis zum nächsten Abend hinter mich bringen, vielleicht würde mich McCormick das letzte Stück in seinem Wagen mitnehmen, ihm gehörte die Farm.

I knew that behind the bamboo forest the grasslands began, grasslands of toil, and after that, I remembered, I had to go past cornfields and a farm. I would make it, I thought, I would make the fifteen miles by the next evening, and perhaps McCormick, who owned the farm, would take me the last part of the way in his car.

Der Bambus stand dicht, ich konnte kaum vorwärts kommen, ich mußte mich zwischen den einzelnen Rohren hindurchzwängen, es war hoffnungslos.

Auch der Boden war gefährlich, Laub und Astwerk bedeckten ihn bis zu den Bambusstauden, ich konnte nicht erkennen, wohin ich trat. Immer wieder sackte ich ein, sackte bis zur Hüfte ein und stürzte vornüber, es ging nicht. Ich blieb stehen und sah zurück; die Männer waren verschwunden, das Feuer brannte nicht mehr, ich war allein.

The bamboo was so dense that I could hardly get through, I had to squeeze past each stalk, it was hopeless.

The ground, too, was dangerous, covered with leaves and branches right up to the stalks, and I couldn’t see where I was stepping. Over and over I sank in up to my hips and fell forward, I wasn’t getting anywhere. I stopped and looked back. The men were gone, the fire was out, I was alone.

Ich war allein in der Schwüle des Bambus. Ich fühlte die nasse Kleidung auf der Haut, meine Knie zitterten. Ich fühlte mich beobachtet, von allen Seiten fühlte ich Augen auf mich gerichtet, gleichgültige, abwartende, bewegungslose Blicke. Ich hatte keine Waffen bei mir, ich durfte nicht weiter.

I was alone in the stifling heat of the bamboo. I could feel my wet clothing against my skin, and my knees were trembling. I felt I was being watched, eyes were gazing at me from all sides, heartless, motionless eyes lying in wait. I had no weapon, I just couldn’t go on.

Es war still, nur zuweilen wurde die Stille unterbrochen, ein Vogel rief in die Finsternis, ein Tier klagte über den gestörten Schlaf; ich durfte nicht weiter, ich wußte, daß ich nachts, nachts und ohne Waffen, nicht durch den Bambuswald kommen würde, der Leopard würde es verhindern;der Leopard oder ein anderer, ich mußte zum Fluß zurück und entweder auf den nächsten Morgen warten oder mich dicht am Wasser bewegen.

Everything was still — the silence was only broken from time to time by a bird calling in the darkness or an animal lamenting its interrupted sleep; I couldn’t go on, certain that at night, and without a weapon, I would never get through the bamboo forest. A leopard would stop me, a leopard or something else, I had to go back to the river and either wait for morning or advance along the river’s edge.

Ohne Waffen und ohne Feuer war die Nacht gefährlich, ich spürte es, die Nacht war ein wenig zu still, ein wenig zu sanft, das war nicht gut, und ich kämpfte mich durch Bambusstauden und Schlingpflanzen wieder zum Fluß zurück.

Without a weapon and without fire, night was dangerous, I could feel it — the night was a little too calm, a little too gentle, and that was not good, so I struggled through the bamboo stalks and the creeping plants back down to the river.

Ich wollte die Nacht ausnutzen und den Fluß hinaufgehen, dabei konnte ich bestenfalls zwei Meilen gewinnen, zwei mühselige Meilen bis zum Morgen, aber ich beschloß, diesen Weg zu nehmen. Ich wollte zu Hause sein, bevor Lukas das große Feuer zur Farm trug, ich mußte das Mädchen warnen und Fanny, meine Frau.

I wanted to make use of the night and advance up the river, even though that way I could make two miles at best, two arduous miles by morning, but I decided on this route. I had to be home before Lucas brought the great fire to the farm, I had to warn the girl, and Fanny, my wife.

Ich ging abermals in den Fluß, das Wasser reichte mir bis zu den Waden, dann watete ich jedes Geräusch vermeidend flußaufwärts; ich kam wider Erwarten gut voran. Der Mond lag auf dem Wasser, wenn der Mond nicht gewesen wäre, wäre ich nicht gegangen. Der Schlamm wurde fester; je weiter ich den Fluß hinaufging, desto härter und sicherer wurde der Grund, ich stieß gegen kleine Steine, die im Wasser lagen, die Büsche hingen nicht mehr so weit über den Fluß, alles schien gut zu gehen.

I went down to the river again, where the water reached up to my calves, and I waded up river, steering clear of any noises. Surprisingly, I made good progress. The moon lay on the water, without the moon I would not have done it. The mud became firmer. The farther I went up the river, the harder and safer the ground became, I stepped on little stones in the water, and the bushes no longer hung so far out over the river, everything seemed to go well.

Manchmal sah ich ein Augenpaar zwischen den Büschen, grün und starr, und unwillkürlich strebte ich der Mitte des Flusses zu, ich hatte Angst,aber ich mußte diese Angst unterdrücken, wenn ich die Farm zeitig erreichen wollte. Manchmal folgten mir auch die Augen am Ufer, kalt und ruhig begleiteten sie mich flußaufwärts, ich erkannte keinen Kopf, keinen Körper, aber die Augen schienen über dem Bambus zu schweben, schwebten durch Bambus und Schlingengewächs, und ich wußte, daß diese Nacht auf der Lauer lag, daß sie den Fremden verfolgte und daß sie ihm seinen Argwohn nehmen wollte durch ihr Schweigen, durch ihren Duft.

Sometimes a pair of eyes peered out from between the bushes, green and motionless, and instinctively I headed for the middle of the river, afraid, but I had to suppress this fear if I wanted to reach the farm on time. Sometimes, too, eyes along the shore were following me up the river, coldly and calmly. I couldn’t discern a head, or a body, but the eyes appeared to be gliding through the bamboo and creeping vines, and I knew the night was lying in wait, pursuing the stranger, and that it wanted to allay his suspicions through its silence, its fragrance.

Ich sah leuchtende Blumen am Ufer, ihre Schönheit brannte sich zu Tode, ich sah sie mitunter mannshoch in der Dunkelheit brennen, auf einem Baum oder mitten in einem Strauch, flammende Todesblumen, unter denen der Leopard wartete.

I saw shimmering flowers along the shore, their beauty consuming itself in death, sometimes I saw them six feet high, glowing in the darkness, on a tree or in the middle of a bush, flaming flowers of death under which the leopard was waiting.

Welche List lag in meinem Freispruch, warum hatten sie mich gehen lassen, mich, dessentwegen sie sich die Zeichn des Zorns eingebrannt hatten?Waren sie ihrer Sache so sicher?

What was the ruse behind my release, why had they let me go? I was after all the cause of their branding themselves with the symbols of hatred. Were they so sure of themselves?

Ich kam gut voran, ich konnte, wenn es so weiterging, sogar drei Meilen schaffen in dieser Nacht, ich würde früher bei Fanny und dem Mädchen sein, als sie gedacht hatten. Ich dachte an Fanny, sah sie auf der Holzveranda sitzen und in die Dunkelheit horchen, den alten Armee revolver auf der Brüstung; zu dieser Zeit hätte ich schon lange bei ihnen sein müssen, vielleicht hatte sie über die Entfernung gespürt, daß mir etwas zugestoßen war.

I made good progress. If I kept it up I could even do three miles tonight, and I would be with Fanny and the girl earlier than they expected. I thought of Fanny — I saw her sitting on the wooden porch and listening for sounds in the darkness, the old army revolver on the railing; I should have been there long before then — perhaps she had sensed from afar that something had happened to me.

Sie hatte einen guten Instinkt, ihr Instinkt hatte sich geschärft,je mehr wir beide zu Einzelgängern geworden waren; dieses Land des Schlafes und des Verfalls hatte uns gezeigt, daß der Mensch von Natur aus ein Einzelgänger ist, ein verlorener, einsamer Jäger auf der Fährte zu sich selbst, und wir sind bald unsere eigenen Wege gegangen, bald, nachdem wir Sheila hatten.

She had good instincts, and her instincts had sharpened the more we became loners. This land of sleep and decay had shown us that man is by nature a loner, a lost, lonely hunter in search of himself, and soon the two of us went our separate ways, soon after we had Sheila.

Wir glaubten manchmal beide, daß wir ohne den anderen auskommen könnten,wir arbeiteten schweigend und allein, jeder an seinem Teil, wir gingen uns aus dem Weg, sobald das Leben uns einem gemeinsamen Punkt zuführen wollte. Fanny und ich, wir gingen zwar in eine Richtung, unser Ziel und unser Leid war dasselbe, aber wir gingen in weitem Abstand auf dieses Ziel zu.

Both of us sometimes believed that we could do without the other, working silently and alone, concerned only with ourselves. We avoided each other just when life seemed to be guiding us to a common point. Fanny and I were heading in the same direction, our goals and our sorrows were the same, but we remained far apart in our pursuit of these goals.

Wir hatten uns alles gesagt, wir hatten uns ohne Rest einander anvertraut, und so kam die Zeit, da wir uns schweigend verstanden, da wir oft ganze Tage nicht miteinander sprachen und die Dinge trotzdem einen guten Verlauf nahmen. Ich hatte sie oft heimlich beobachtet, wenn sie durch den Mais ging oder die Schlucht hinunterkletterte zum Fluß, ich hatte sie beobachtet und bemerkt, daß ihre Bewegungen anders geworden waren, anders als in der ersten Zeit. Sie bewegte sich weicher und tierhafter, ihre Bewegungen flossen ganz aus, sie fühlte sich sicher.

We had told each other everything, we had confided in one another completely, and thus the time came when we understood each other without speaking, when we often went for days not talking, and things nevertheless went well. I had often watched her secretly when she was walking through the cornfield or climbing down the gulch to the river, I had watched her and noticed that her movements were different than when we first got here — they flowed smooth and animal-like, she felt secure.

Der Fluß wurde flacher, einige Steine ragten über die Oberfläche hinaus, und ich sprang, wenn es möglich war, von Stein zu Stein und brauchte kaum noch ins Wasser.

The river became shallower, some stones broke the surface, and I jumped, when possible, from stone to stone and hardly needed to go into the water.

Das Wasser war kälter geworden, die Luft war kälter geworden, ich begann zu frieren. Ich blieb auf einem Stein stehen und massierte meinen Leib und die Beine, das Hemd war über der Brust zerrissen, die Fetzen hingen mir, wenn ich mich bückte, ins Gesicht, sie rochen süßlich und dumpf. Ich bedeckte mit den Fetzen sorgsam meine Haut, ich versuchte, das Hemd in die Länge zu ziehen und unter den Gürtel zu schieben, denn ich begann immer stärker zu frieren, und ich sehnte mich zurück nach dem warmen Schlamm, nach der Flußstelle, wo sie mich aus ihrem Kreis entlassen hatten.

The water had become colder, the air had become colder, and I began to feel it. I paused on a rock to massage my body and legs. My shirt was torn at the chest and the shreds brushed against my face when I bent over — they had a sickly sweet smell. I carefully covered my skin with the shreds of my shirt, I tugged at them and tried to tuck them under my belt. I was getting colder and colder, and I yearned for the warm mud again, the spot on the river where they had released me from their circle.

Ich trank etwas von dem bitteren Wasser und wollte weitergehen, da sah ich ihn: er stand dicht am Ufer, an einer kleinen Bucht des Flusses, nur wenige Meter von mir entfernt. Um ihn herum waren die Bambussträucher niedergetreten, so daß ich ihn in seiner vollen Größe sehen konnte, er hatte mich offenbar auch gerade entdeckt. Er hatte den Rüssel eingerollt und stand regungslos vor mir, ich sah den matten Glanz seiner Stoßzähne, die kleinen blanken Augen und seine langsam fächelnden Ohren, es war ein großer Elefant.

I drank some of the bitter water and was about to move on when I saw him standing close to the river’s edge in a little cove, only a few yards away. All around him the bamboo stalks were trampled so I could see him in his full size, and he had apparently also just noticed me. He stood motionless before me with his trunk rolled up, and I saw the dull gleam of his tusks, the beady little eyes, and his ears slowly fanning the air. He was a huge elephant.

Er stand und blickte zu mir herüber, und ich war so betroffen von seinem Anblick, daß ich an keine Flucht dachte, ich rührte mich nicht und betrachtete das große, einsame Tier, und ich empfand plötzlich die wunderbare Nähe der Wildnis. Nach einer Weile wandte er den Kopf, entrollte den Rüssel und trank, ich hörte ein saugendes Geräusch, hörte, wie der Rüssel ein paar kleine Steine zur Seite schob, sie klirrten gegeneinander, und dann drehte er sich unerwartet um und verschwand im Bambus. Ich hörte ihn durch das Holz brechen, und plötzlich, als ob er stehengeblieben wäre, war es wieder still.

He stood looking at me, and I was so stunned by the sight that I didn’t even think of fleeing, but just stood there without moving, watching the huge solitary beast, and suddenly I felt the awesome proximity of the wilderness. After a while he turned his head, rolled out his trunk and drank, and I heard a sucking sound and a dull clinking sound as his trunk pushed small stones aside. Then he suddenly turned and disappeared into the bamboo. I heard him crashing through the woods and suddenly, as if he had stopped short, everything was silent again.

Langsam setzte ich meinen Weg fort, ich hatte ein Bambusrohr im Wasser gefunden und benutzte es als Stütze, wenn ich von Stein zu Stein sprang, das Rohr war mit einem einzigen schrägen Hieb durchschlagen worden, es besaß eine Spitze, ich konnte es notfalls als Waffe verwenden. Ich dachte an Lukas, meinen sanftmütigen Knecht seit vierzehn Jahren, ich stellte mir vor, daß er jetzt an einem anderen Feuer saß, daß andere Männer vor ihm hockten und den Teig des Hasses hinunterwürgten, den er, zu Kugeln gerollt, in ihren Mund schob; ich glaubte zu sehen, wie Ihre Schultern sich verlangend seinem schweren Panga-Messer entgegenreckten, wie ihre Gesichter glänzten vor Schwüle und Begierde, die Male zu empfangen.

Slowly I set out again. I had discovered a bamboo stalk in the water and used it for support as I jumped from stone to stone. The stalk had been cut straight through with a single diagonal blow, it had a point, and if necessary I could use it as a weapon. I thought of Lucas, my gentle servant for fourteen years, and I imagined him sitting in front of another fire now, other men crouched before him swallowing the dough of hatred which he had rolled into balls and placed in their mouths. I imagined how they bent forward longingly toward his heavy panga knife, their faces gleaming in the heat and dampness, eager to receive the brand.

Ich stellte mir vor, daß Lukas durch das ganze Land ging, und ich sah, daß überall, wo sein Fuß das Gras niedertrat, Feuer aufsprang, das Feuer folgte ihm unaufhörlich, änderte mit ihm die Richtung, legte sich hin, wenn er es befahl — Lukas, Herr über das Feuer.

I imagined Lucas going through the entire land, and I saw that everywhere his feet touched the ground, fire broke out in the grass. The fire followed him constantly, changed direction when he did, and died down at his command: Lucas, Lord of the fire.

Ich dachte an den Tag, als ich ihn zum ersten Male sah: er war, wie die anderen seines Stammes, nach Norden geflohen, die Rinderpest hatte ihre Herden fast völlig vernichtet, und sie hatten mit ihrem letzten Vieh im Norden Schutz gesucht. Und während sie im Norden waren, kamen wir und nahmen ihr Land, wir wußten nicht, wann sie zurückkehren würden, ob sie überhaupt jemals zurückkehren würden, wir nahmen uns das brachliegende Land und begannen zu säen

I thought back on the day I saw him for the first time. He had fled north like the others in his tribe, the cattle plague had almost completely wiped out their herds and they had sought refuge in the north with the last of their cattle. And while they were in the north we came and took their land. We didn’t know when they would come back or if they ever would come back, so we took the fallow land and began to sow.

Aber nachdem wir gesät und auch schon geerntet hatten, kamen sie aus dem Norden zurück, ich sah ihren schweigenden Zug das lange Tal heraufkommen, vorn ihre Frauen, dann das Vieh, und hinter dem Vieh die Männer. Wir sagten ihnen, daß sie das Land durch ihre Abwesenheit verloren hätten, und sie schwiegen; wir boten ihnen Geld, sie nahmen das Geld, verbargen es gleichmütig in ihrer Kleidung und schwiegen, sie schwiegen, weil sie sich als Besitzer dieses Landes fühlten, denn für einen Kikuju wird der Verkauf eines Landes erst dann rechtmäßig, wenn er unter religiösen Weihen vollzogen worden ist. Es hatte keine Bedeutung, daß wir ihnen Geld gaben, wir hatten den Boden ohne religiöse Weihen abgesteckt, darum konnte er uns niemals gehören.

But after we had sowed, and even harvested, they came back from the north. I saw their silent procession coming up the long valley, their women in front, then the cattle, and behind the cattle, the men. We told them they had forfeited the land due to their absence, and they were silent. We offered them money, and they took it, calmly put it away in their clothing and were silent. They were silent because they still felt themselves to be the owners of this land, because for a Kikuyu a land purchase is legal only when it is consecrated in a religious ceremony. It meant nothing to them that we gave them money, for we had staked out the land without the religious ceremony and therefore it could never belong to us.

Ich erinnerte mich, wie mit einem dieser Züge auch Lukas das lange Tal heraufkam, er ging am Ende des Zuges, er fiel mir gleich auf. Sein altes, sanftes Gesicht fiel mir auf, ein Gesicht, das nie eine Jugend gehabt zu haben schien, und dieses Gesicht blieb ruhig, als ich sagte, daß ich dieses Land nicht mehr aufgeben würde. Es war Lukas' Land, das ich mir genommen hatte.

I remembered Lucas coming up the long valley in one of these processions, walking at the end of the line — I noticed him right away. I noticed his gentle, old face that seemed never to have had a childhood, and this face remained calm when I said I would not give up this land. It was Lucas’s land I had taken.

Er schwieg, als er das erfuhr, und als sich der Zug in Bewegung setzte, weiterging auf seiner stummen Suche nach dem verlorenen Land, da ging auch Lukas mit, und ich sah ihn sanftmütig über die Grasebene schreiten und brachte es nicht übers Herz, ihn gehen zu lassen. Ich rief Lukas zurück und fragte ihn, ob er bei mir bleiben wolle, ich fragte ihn, ob er bereit sei, mit mir zusammen das Land zu bearbeiten, und er nickte schweigend, und ging auf so natürliche Weise seiner Arbeit nach, daß es den Anschein hatte, er habe sie nur kurzfristig liegenlassen und sei nun zuruckgekommen, um sie zu vollenden.

He was silent when he heard this, and when the procession started moving again, onward in its silent search for the lost land, Lucas went with it, and I saw him meekly marching on across the grassland, and I couldn’t bring myself to let him go. I called Lucas back and asked him if he would stay with me, if he was ready to farm the land with me. He nodded silently, and went about his work so matter–of–factly that it seemed as though he had left it just briefly and had now come back to finish it.

Er arbeitete wortlos und geduldig, ich hatte ihm nie viel zu sagen. Ich versuchte, ihm mancherlei beizubringen, ich gab mir Mühe, ihm die Arbeit zu erleichtern, er hörte höflich zu, wartete, bis ich ihn entließ, und hatte wenig später meinen Rat vergessen. Welch eine List lag in meinem Freispruch, was hatte sich Lukas, der wunderbare, sanftmütige Knecht, in den vierzehn Jahren überlegt?

He worked silently and patiently, and I never had to say very much to him. I tried to teach him a few things to make his work easier. He would listen to me politely, wait until I let him go and shortly after would forget my advice. What ruse lay behind my release, what had my wonderful, gentle servant Lucas been planning during these fourteen years?

Ich ging bis zum Morgen flußaufwärts, die Nächte sind lang in diesem Land, und ich hatte wohl vier Meilen gewonnen, mehr als ich gehofft hatte. Ich prüfte den Himmel, den länglichen Ausschnitt des Himmels über dem Fluß, es sah aus, als ob es ein Gewitter geben würde. Der Himmel war mit einer einzigen grauen Wolke bedeckt, sie stand über mir und dem Fluß, ihre Ränder waren dunkel; mitten durch das Grau lief eine zinnoberrote Spur, eine Feuerspur, und ich dachte, daß das die Spur von Lukas sein könnte. Ich überlegte, ob es Zweck hätte, unter solchen Umständen den Bambuswald zu durchqueren, aber ich dachte an Fanny, an das Mädchen und an die Frist, und ich beschloß, unter allen Umständen durch den Bambus zu gehen.

I continued up the river until morning. The nights are long in this land, and I had made perhaps four miles, more than expected. I checked the sky, the long strip of sky over the river, and it looked like a thunderstorm was coming. The sky was covered with a single grey cloud hanging over me and the river. The edges of the cloud were dark and through the middle of the grey ran a bright red line, a line of fire, and I thought that this could be Lucas’s trail. I wondered therefore if there was any point in crossing through the bamboo forest, but I thought of Fanny, the girl, and the deadline, and decided to go through the bamboo, no matter what.

Ich spürte zum ersten Male Hunger, ich trank von dem bitteren Wasser des Flusses und schwang mich mit Hilfe der Bambusstange ans Ufer.

For the first time I felt hunger, and I drank the bitter river water and vaulted over to the river’s edge with the help of the bamboo stick.

Als ich das Ufer betrat, merkte ich, wie erschöpft ich war, der Weg über die Steine hatte meine ganze Kraft verlangt, hatte meine Aufmerksamkeit und meine Geschicklichkeit bis zuletzt so sehr beansprucht, daß ich keine Gelegenheit gefunden hatte, den Grad meiner Erschöpfung zu bemerken. Nun, da ich die Möglichkeit hatte, mich zu entspannen, merkte ich es; ich fühlte, wie unsicher ich auf den Beinen war, ich sah, wie meine Hände zitterten, und ich spürte den Schleier vor meinen Augen, ein untrügliches Zeichen meiner Erschöpfung.

When I set foot on the shore, I noticed how exhausted I was. My route over the stones had taken so much of my strength, my attention and skill that I hadn’t had the chance to realize how great my exhaustion was. Now that I had the chance to relax, I noticed it. I felt how unsteady I was on my feet, I saw how my hands trembled and I felt my eyes cloud over, a sure sign of my exhaustion.

Ich durfte nicht stehenbleiben, ich mußte weiter, mußte mich gleichsam im Sog der einmal begonnenen Anstrengung bis zur Farm tragen lassen; ich kannte mich zur Genüge, ich wußte, daß ich es schaffen würde.

I couldn’t stop, I had to go on, I had to let my earlier efforts carry me along in their wake, so to speak, to the farm. I knew myself well enough, I knew that I would make it.

Ich stieg, weit nach vorn gebückt, eine Anhöhe hinauf, ich griff nach jedem Schritt in die Bambusstauden und Wurzeln und zog mich an ihnen vorwärts, ich mußte mich vorsichtig voranziehen, denn manchmal griff ich in die Wurzeln eines toten Baumes, der gestorben und stehengebieben war, weil es keinen Platz gab, wohin er hätte stürzen können, und wenn ich mich an dem aufrechten, toten Stamm hochziehen wollte, gab er nach, die Wurzeln rissen, und der Bambusstamm stürzte mir entgegen. Mitunter traf er im Sturz andere Stämme, und ich hörte, wie die Wurzeln rissen, und warf mich zur Erde und bedeckte den Kopf mit den Händen.

Stooped far over, I climbed a small hill, reaching for the bamboo stalks and roots at every step, and pulling myself forward. I had to go carefully because sometimes I grabbed hold of roots from a tree that had died and was still standing only because there was no room for it to fall over, and when I tried to pull myself up, it gave way, the roots tore out, and the bamboo stalk fell over on me. Sometimes it would hit other stalks as it fell, I heard the roots ripping out and I threw myself down on the ground, covering my head with my hands.

Von Zeit zu Zeit sank ich bis zu den Knien in den weichen Boden ein, aber es geschah nicht so oft wie in der Nacht, als ich den Bambuswald das erste Mal zu durchqueren versucht hatte; jetzt konnte ich die tieferen Löcher im Boden erkennen, konnte ihnen ausweichen.

From time to time I sank up to my knees in the mud, but it didn’t happen as often as during the night when I had tried to cross the bamboo forest for the first time because now I could see the deeper holes in the ground and go around them.

Die Kälte, unter der ich am Morgen gelitten hatte, machte mir nicht mehr zu schaffen, die Anstrengung brachte mich in Schweiß, das Hemd klebte auf meinem Rücken, und wenn ich mit dem Gesicht am Boden lag, prallte mein Atem vom Laub zurück und traf mein heißes Gesicht. Ich spürte den Schweiß über die Wange laufen und spürte ihn, dünn und säuerlich, wenn ich mit der Zunge über die Lippen fuhr.

I was no longer bothered by the cold which had caused me such discomfort in the morning. In fact the exertion caused me to break out in a sweat, and the shirt stuck to my back. When I lay down with my face to the ground, my breath rebounded from the leaves and struck my hot face. I felt the sweat running down my cheeks, and tasted it, thin and sour, when I licked my lips.

Ich beschloß, mich im Mais eine Weile auszuruhen, ich wollte mich weder hinlegen noch hinsetzen, das Risiko wäre zu groß gewesen, ich wollte, damit die Erschöpfung mich nicht besiegte, stehend ausruhen, ich wollte einen Augenblick stehen und einen Kolben abbrechen, ich war schon nahe daran, ich hatte schon den süßlich-mehligen Geschmack der Körner auf der Zunge — es war gut, daran zu denken.

I decided to rest in the cornfield for awhile, but I didn’t want to lie down or sit down, the risk would have been too great. I wanted to rest standing up so that I would not be overcome by exhaustion, I just wanted to stand for a moment and break off an ear of corn. I was on the point of doing that, I already had the sweet, mealy taste of the corn kernels on my tongue –– it felt good to think about that.

Ich zog mich an eine schwarze Zeder heran, ich griff in ein Büschel von Schlinggewächsen, sie fühlten sich glatt und lederhäutig an wie Schlangen, ich griff in sie hinein und zog mich an den Baum heran, und als ich auf einer Wurzel stand, sah ich eine Lichtung.

I pulled myself up to a black cedar, reaching into a clump of vines that felt smooth and leathery like snakes. I reached in and pulled myself up to the tree, and when I stood on a root I could see a clearing.

Ich sah sie durch den Schleier meiner Erschöpfung, und als ich näher heranging, erkannte ich auf der Lichtung eine Anzahl großer, schwerer Vögel, die um einen Gegenstand versammelt waren. Sie hüpften lautlos umher, träge und mit schlappem Flügelschlag umkreisten sie den Gegenstand, einige saßen auf ihm und drängten die neu Hinzugekommenen ab, es waren schwarze Vögel. Sie ließen sich durch mich nicht vertreiben, ich konnte so nah herangehen, daß ich sie mit meiner Bambusstange erreicht hätte, ich versuchte es auch, aber sie hüpften nur schwerfällig zur Seite und blieben.

I saw then through a veil of exhaustion, and as I got closer I saw in the clearing a number of large, heavy, black birds clustered around some object. They hopped about silently, lazily, with a heavy flapping of wings, circling the object, some sitting on it and chasing off the newcomers. They were blackbirds. I couldn’t drive them off, though I got so close I could touch them with my bamboo stick. When I tried to, they just hopped awkwardly aside and remained.

Der Gegenstand, um den sie sich drängten, war ein Baumstumpf, sie wollten offenbar nur darauf sitzen, und da sie zu viele waren, entstand dieser lautlose Kampf. Ich trat an den Baumstumpf heran, lehnte mich gegen ihn und erlag schließlich der Versuchung, mich zu setzen. Ich setzte mich in die Mitte und vertrieb mit meiner Bambusstange die Vögel, ich konnte sie nicht entgültig vertreiben: sie sprangen auf die Erde, träge und widerwillig, sie hüpften schwerfällig um meine Beine herum und sahen mit schräggelegtem Kopf zu mir auf.

The object they were crowded around was a tree stump. They apparently just wanted to sit on it, and since there were too many of them, this silent struggle ensued. I walked up to the tree stump, leaned on it and finally gave in to the temptation to sit on it. I sat down in their midst and drove the birds away with my bamboo stick, but I couldn’t drive them off for good: they jumped down to the ground, lazily and reluctantly, hopping clumsily around my feet and cocking their heads to look up at me.

Und nach einer Weile versuchte der erste Vogel, auf den Baumstumpf zu fliegen, ich duckte mich, weil ich glaubte, er flöge mich an, aber als ich sah, daß er nur neben mir sitzen wollte, ließ ich ihn sitzen und kümmerte mich nicht um ihn.

After a while the first bird tried to get up onto the stump, and I ducked because I thought it was flying right at me, but when I saw that it only wanted to sit next to me, I let it sit there and paid no further attention to it.

Ich lehnte mich weit zurück und beobachtete den Himmel, und ich sah, daß die Wolke mit der zinnoberroten Spur weiter im Westen stand: es würde kein Gewitter geben, ich war zuversichtlich für meinen Weg. Langsam stand ich auf und ging zwischen den großen Vögeln über die Lichtung, sie bewegten sich nicht, sie hockten am Boden und sahen mir nach.

I leaned far back and observed the sky. I saw that the cloud with the bright red track had moved farther westward: the thunderstorm would hold off, I was confident about the rest of my trip. Slowly I stood up and walked across the clearing through the crowd of birds. They didn’t move, they just huddled on the ground and watched me leave.

Ich dachte an Lukas' Augen, an seinen Blick voll sanfter Trauer,ich dachte daran, während ich mit dem Bambus kämpfte, und ich begann, Lukas zu begreifen, Lukas und all die andern, die die Stigmen des Hasses trugen. Ich glaubte zu verstehen, warum sie sich danach drängten, die Male zu empfangen. Wir haben ihnen zuviel genommen, wir haben ihnen aber auch zuviel gebracht. Welch eine List hatte Lukas ersonnen, warum hatte er mich gehen lassen, der auch daran schuld war, daß ihm alles genommen wurde?

I was thinking of Lucas’s eyes, his gaze full of gentle sadness, I thought about it as I struggled through the bamboo, and I began to understand Lucas and all the others who bore the stigmata of hatred. I thought I understood why they were so eager to receive the marks. We had taken too much from them, but we had also given them too much. What ruse had Lucas thought up, why had he let me go when I was one of those responsible for everything being taken from him?

Ich mußte vor Sonnenuntergang auf der Farm sein, ich dachte an Fanny und an das Mädchen, ich sah sie immer noch auf der Holzveranda sitzen, den alten Armeerevolver in der Nähe, ich wußte, daß sie in dieser Nacht nicht geschlafen hatten.

I had to be at the farm by sundown, I thought of Fanny and the girl, I could still see them sitting on the porch, the old army revolver close by. I knew they had not slept that night.

Als ich den Bambuswald hinter mir hatte, war ich so erschöpft, daß ich nicht weitergehen zu können glaubte, mein Körper verlangte nach Ruhe, es zog mich zur Erde. Ich blieb mitten im Elefantengras stehen und schloß die Augen, ich wäre eingeknickt und niedergesunken, wenn ich mich nicht auf den Bambusstock gestürzt hätte, ich war so entkräftet, daß mich eine tiefe Gleichgültigkeit erfaßte.

When the bamboo forest was behind me, I was so exhausted I thought I wouldn’t be able to go on, my body demanded rest, pulled me down to the ground. I stood still in the elephant grass and closed my eyes. I was so weak that a profound indifference came over me and I would have collapsed had I not been leaning on the bamboo stick.

Fannys Schicksal war mir gleichgültig, und ich beschwichtigte mich selbst, indem ich mir sagte, daß sie gut schießen und das Haus nicht schlechter verteidigen könnte als ich selbst. Und ich hätte mich hingelegt, wenn nicht der Hunger gewesen wäre; der Hunger zwang mich, die Augen zu öffnen, und ich hob den Bambusstab, stieß ihn in den Boden und ging.

I didn’t worry about what might have happened to Fanny, and I reassured myself, reasoning that she was a good shot and could defend the house as well as I could. And I would have lain down if not for the hunger. The hunger forced me to open my eyes, and I lifted up the bamboo stick, stuck it into the ground, and left.

Ich ging durch das hüfthohe Elefantengras, meine Lippen brannten, in den Fingern summte das Blut. Ich blickte nicht ein einziges Mal über die große Ebene, mein Blick scheute sich vor dem Horizomt, ich hatte nicht die Kraft, die Augen zu heben.

I strode through the elephant grass that reached up to my waist, my lips burning and blood humming in my fingers. I didn’t look across the plain even once, I avoided looking at the horizon, I didn’t have the strength to look up.

Gegen Mittag stand ich vor dem Maisfeld. Ich warf den Bambusstab fort, nun hatte er ausgedient, ich warf ihn in weitem Bogen in das Gras und riß mehrere Maiskolben ab. Ich setzte mich auf die Erde. Ich legte die Kolben in meinen Schoß. Ich riß von einem Kolben die gelbweißen, trockenen Hüllen ab und biß hinein.

Ich ließ mir keine Zeit, die Körner mit dem Daumen herauszubrechen. Ich fuhr mit den Zähnen den Kolben entlang. Die Körner schmeckten nach süßem Mehl.

Around noontime I arrived at the cornfield. I threw away the bamboo stick — it had served its purpose —flung it into the grass and picked several ears of corn. I sat down on the ground, the ears of corn in my lap. I tore off the yellowish, dry husks and bit into the corn. I didn’t take the time to squeeze out the kernels with my thumb I just chewed along the cob, and the kernels tasted like sweet flour.

Nachdem ich gegessen hatte, kroch ich zwischen die Maisstauden, ich spürte Kühle und Schatten, spürte eine seltsame Geborgenheit; hier, im Mais, glaubte ich mich sicher. Ich kroch durch das ganze Feld, ich bildete mir ein, während ich kroch, neue Kräfte zusammeln, ich fühlte mich auch zu Kräften kommen, und ich hob die Augen und sah nach vorn. Und ich sah durch die Maisstauden die Farm, sie lag auf einem Hügel, das große Wohnhaus mit der Veranda und die Wellblechschuppen, die im rechten Winkel zu ihm standen.

After I had eaten I crawled between the cornstalks. I felt the coolness, the shade, a strange sense of security. Here, in the corn, I felt safe. I crawled through the whole field, imagining, as I crawled, that I was gathering new strength, and as I felt my strength coming back I looked up to see what lay ahead of me. And through the cornstalks I saw the farm atop a little hill, the large house with the porch, and the shed with the corrugated iron roof standing at right angles.

Die Farm lag verlassen da;McCormick hatte vier Hunde, einen hatte ich immer gesehen, wenn ich vorbeigekommen war, einer hatte immer vor der Veranda im Staub gelegen, jetzt konnte ich keinen entdecken. Ich wollte das Maisfeld verlassen und hinübergehen, ich hatte mich schon aufgerichtet, da kamen sie aus der Farm.

The farm was abandoned. McCormick had four dogs, and I had always seen at least one when I passed by — one of them had always been lying in the dust in front of the porch, but now I couldn’t see anything. I was about to leave the cornfield and walk over, I had already stood up, when they came out of the farmhouse.

Es waren sechs Männer, hagere Kikujus mit Panga-Messern, sie gingen die Verandatreppe hinab, langsam, mit ruhigen Schritten, sie schienen keine Eile zu haben. Einen Augenblick verschwanden sie hinter den Wellblechschuppen, dann sah ich sie wieder, sechs hagere Männer, sie schritten über den Hof und an einer Baumgruppe vorbei, sie schritten aufrecht über die Grasfläche, in die Richtung, aus der ich gekommen war, ihr Weg führte sie zum Bambuswald, zum Fluß.

There were six men, gaunt Kikuyus with panga knives. They walked slowly down the porch stairs, with a calm stride, and seemed to be in no hurry. For a moment they disappeared behind the shed with the corrugated iron roof, but then I saw them again, six gaunt men striding across the yard and past a cluster of trees. They walked over the grassland with their heads held high in the direction I had come from. Their path led to the bamboo forest, to the river.

Ich konnte nicht erkennen, ob Lukas bei ihnen war, sie waren zu weit entfernt, ich konnte nur fühlen, ob er bei ihnen war — mein Gefühl bestätigte es. Ich blickte ihnen nach, bis sie hinter der Grasfläche verschwunden waren, ich wußte, daß es jetzt nutzlos war, in die Farm zu gehen und McCormick um das Auto zu bitten, ich würde ihn nie mehr um etwas bitten können; er tat mir leid, denn er war erst sechs Jahre hier. Gleich nach dem Krieg war er hergekommen, ein freundlicher, rothaariger Mann, der gern sprach und in jedem Jahr für einen Monat verschwand, nach Nairobi, erzählte man, wo er einen Monat lang auf geheimnisvolle Art untertauchte.

I couldn’t make out if Lucas was among them, as they were too far away, I could only feel if he was there ––– and my feeling said he was. I watched them until they disappeared behind the grassy area, and I knew it was pointless now to go to the farm and ask McCormick for the car. I would never be able to ask him for anything again, I was sorry for him, for he had been here only six years. He came here right after the war, a friendly, red–haired man who loved to talk and went away every year, to Nairobi, so people said, where he disappeared mysteriously for a month.

Es zeigte sich niemand auf seiner Farm, und ich schob mich wieder in das Maisfeld und nahm mir vor, zurückzukehren, wenn ich zu Hause alles geregelt hatte;wenn ich das Schnellfeuergewehr bei mir gehabt hätte oder nur den alten Armeerevolver, dann wäre ich schon jetzt zur Farm hinübergegangen, aber unbewaffnet und erschöpft, wie ich war, wäre es leichtfertig gewesen. Sie konnten einen zurückgelassen haben, sie konnten alle sechs zurückkehren, es hatte keinen Zweck.

There wasn’t a sign of life at his farm and I ducked back into the cornfield, deciding to come back later once I had settled everything at home. If I had had the automatic pistol with me, or even the old army revolver, I would have walked over to the farm, but unarmed and exhausted as I was, it would have been foolish. They might have left someone behind, or all six might come back — there was no point.

Ich kroch in die Richtung, in die auch der schmale Weg lief, der das Maisfeld an einer Seite begrenzte, der Weg führte zu meiner Farm. Ich hatte den schwierigsten Teil der Strecke hinter mir, ich hatte mich ausgeruht und gegessen, ich hatte die Gleichgültigkeit und den Durst überwunden: ich zweifelte nicht daran, daß ich rechtzeitig auf meiner Farm sein würde.

I crept along, following the little path along one side of the cornfield, toward my farm. I had the hardest part of the trip behind me, had rested and eaten, had gotten over the apathy and thirst. I was certain I would get to my farm on time.

Je näher ich kam, desto größer wurde meine Angst vor ihrer List und das Mißtrauen gegenüber meinem Freispruch. Warum hatte Lukas mich gehen lassen, Lukas, sanftmütiger Knecht und Zauberer, welch eine List hatte er für mich ersonnen?Die Angst ließ mich zwischen den Maisstauden aufstehen, ich schob die Hände vor und begann, so gut es ging, zu laufen. Ich lief durch das Feld, blieb stehen, lauschte, hörte mein Herz schlagen und lief weiter.

The closer I got, the more fearful I became of their duplicity, and the more suspicious about my release. Why had Lucas let me go, Lucas, gentle servant and sorcerer. What sort of ruse had he thought up for me? Fear took hold of me and caused me to stand up among the cornstalks. I put my hands out in front of me and started to run as fast as I could. I ran through the field, stopped, listened, heard only my heart pounding, and ran on.

Ich spürte, wie meine Oberschenkel sich verkrampften, starr und gefühllos wurden, auf der Brust entdeckte ich die Spuren der Dornen, kleine, blutverkrustete Kratzer, meine Arme zitterten. Mein Mund war geöffnet, der Oberkörper lag weit vornüber: so lief ich durch den Mais, und als ich das Ende des Feldes erreicht hatte, gönnte ich mir keine Ruhe; ich lief zur Straße, ich glaubte, daß ich immer noch liefe, ich hörte meinen Schritt gegen die Erde klopfen, und ich glaubte, daß ich liefe — aber wenn ich gelaufen wäre, hätte ich mein Ziel früher erreichen müssen, ich taumelte vorwärts, von der Angst und der Hitze geschlagen, ich konnte meinen Schritt kaum noch kontrollieren.

I felt my legs cramping, they got stiff and numb, and on my chest I saw the small scratches and scabs made by the thorns. My arms trembled. My mouth was open, my body bent over as I ran through the corn, and when I reached the end of the field I pressed on. I ran to the road, I thought I was still running, I heard my feet pounding the ground and thought I was running ––– but if I really had been running I would surely have reached my goal sooner. I staggered forward, overcome with fear and the heat, I could scarcely control my legs anymore.

Dann kam ich wieder an ein Maisfeld, lange vor Sonnenuntergang, und das war mein eigener Mais. Hinter ihm lag die Farm, eine letzte Anstrengung, dann hätte ich sie erreicht, ich sah sie schon vor mir liegen, obwohl der Mais sie meinem Blick entzog, meine Farm, Lukas' Farm. Ich bog vom Weg ab und lief durch den Mais, die Stauden schienen kräftiger und höher, die Kolben größer zu sein als die in McCormicks Feld — ich lief bis zu einer Furche, hatte Lukas sie in den Boden gerissen, hatte ich es getan? Ich hatte mich unterschätzt, ich hatte meine Kräfte zu geringangesehen, jetzt spürte ich, worüber ich noch verfügte.

Then I came to another cornfield, long before sundown, and that was my own corn. Beyond it stood the farm — one last effort, then I would reach it, I could already see it before me, although the corn still blocked my view, my farm, Lucas’s farm. I turned off the path and ran through the cornfield, whose stalks seemed stronger and higher, the ears larger than in McCormick’s field , and I ran up to a furrow — had Lucas dug that furrow, or had I? I had underestimated myself, had underrated my strength, now I felt what I was still able to do.

Ich sah die Stauden lichter werden, das war das Ende des Feldes. Ich trat aus dem Maisfeld. Ich preßte die Hände gegen die Brust. Ich hob den Kopf und blickte zu den Brotbäumen hinüber.

I saw the opening in the corn, that was the end of the field. I stepped out of the cornfield, pressed my hands against my chest, raised my head and looked over toward the bread trees.

Die Farm stand nicht mehr, und es war lange vor Sonnenuntergang. Ich ging zu den Brotbäumen und sah in die Asche. Ich kniete mich hin und faßte mit beiden Händen hinein.

The farm was no longer there, and it was long before sundown. I went over to the bread trees, saw the ashes, knelt down and thrust both hands into them.

Die Asche war kalt.

The ashes were cold.